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25. März 2009

An der Mauer

An der Mauer, die Du leichten Herzens mir entgegenstellst,
brechen meine Nägel, die ich blutend dir entgegenstrecke;
Welchen Geist hat das Versprechen, dass Du für mich heute hältst,
den ich anders nenne, dessen Namen ich vor Dir verdecke?

Heute hast Du mich gelehrt, wie wahrhaft man in Demut steht:
Liebe, sagtest Du mir einst, ist nicht abstrakt und reift in Zeiten,
ist dem Untergang geweiht, wenn man sich dreht, wenn einer geht;
Alles glaub ich dir doch gegen Eines würd ich mit dir streiten.

Deine Kälte zwingt mich in die Knie und doch werd ich verweilen:
Immer wieder mit dir gehn, auch wenn Du immer fremder scheinst,
wenn das Kreuz mir auch zu schwer und diese Wunden nicht mehr heilen.

Mein Gebet für Dich mag Deine Tränen trocknen, wenn du weinst;
Jede Last und jeden Schmerz für Dich in eine Hälfte teilen
und vor allem Bösen stehn, für das was du in dir vereinst.


30. Dezember 2008

Alles wird gut

Frost bedeckt das Grabesgrün der Wege,
die still den Möwensehnsuchtsrufen lauschen
und wenn ich meine Augen leise schließe,
eine Hand mir auf die Lippen lege,
hör ich den Ruf des Frühlingsmeeresrauschen.

Fern von hier bedeckt die Wege Blut -
Ich muss den Sterbensschmerzensschreien lauschen.
Doch wenn ich meine Augen leise schließe,
wird vielleicht noch wirklich alles gut,
hör wieder ich das Frühlingsmeeresrauschen.


14. Juni 2008

Noch immer?

Der Wind flüstert mir leise noch immer,
doch er wird still und stiller immer mehr.
Der Mond – hat er noch diesen Schimmer?

Ich friere nicht mehr, aber da ist dieses Schauern,
ein Erinnern und manchmal, ja – ein Bedauern.
Im Kamin dieses Knistern, ein letztes Erglimmen
ein Schatten, ein Wispern vergessener Stimmen.

Der Wind flüstert mir leise noch immer,
doch höre ich wirklich immer noch hin?
Der Mond – hat er noch diesen Schimmer?

31. Mai 2008

Wurzeln

Meine Wurzeln hätte ich so fest und starr geschlagen
dass man meine Seele bar der Freiheit glaubt?
Müsste ich nicht vorerst Wurzeln in mir tragen,
jenes auch zu tun, was scheinbar mich beraubt?

Wäre es mir nur geschenkt, ich setzte einen wilden Wald,
an jedem Ort, an den mich Gottes Wille drängt!
Wäre Heimat irgendwo, mir wäre nie mehr kalt,
ein wenig Stille wäre in mein Herz gesenkt.

Sorgst Du Dich, so fürchte, dass ich niemals Ruhe finde!
Denn schon setze ich die Segel für den Wind,
zieh die Seile ein und drehe die Gewinde,
hole ein die Anker, die Dir Wurzeln sind.

9. Februar 2008

Hinter Spiegelglas

Hinter Spiegelglas

Der Sonne Strahl erglitzert hart auf Spiegelglas;
Sah ich denn einen Blick dahinter flehen?
Ich blicke auf von meinem Märchenbild, ich las
von Schönem doch und muss nur Elend sehen,

wo Gut und Böse miteinander gehen.
Kein Frühlingshauch trifft das behaarte tote Haupt
und nicht die süße Luft der Neujahrswehen,
nur toxisch-scharfer Duft, der durch die Gänge staubt.

Wie kann ich hier des Frühlings Wispern hören,
wenn laut gewordne Angst schon hörbar nach mir greift?
Wie kann ich mich verschließen, mich nicht stören,
wenn Wissenschaft sich dort am Leben selbst vergreift?

So herrlich knospen Blüten hier der Erde
und unvergleichlich wärmt mich Sommersonnenlicht;
Ob ich noch einmal blinder dafür werde,
dass täglich hinter Spiegelglas ein Geist zerbricht?

"Die Affenversuche sind für die Tiere nicht schmerzhaft, sie beteiligen sich freiwillig[...]"
(Reinhard X. Fischer – Beauftragter der Universität Bremen für die Makakenversuche)

(Photo: Fachbereich Biologie der Universität Bremen - Institut für Gehirnforschung)

22. Dezember 2007

Dornröschen


Dornröschen

Die Rosenhecken, denen sie die Nahrung selbst gereicht
winden, schlängeln sich wie Nattern fest um ihre matten Glieder.
Erblindet ist sie, weil ihr Auge nicht den Dornen weicht:
Kurz nur glimmt es brüchig auf, ein schwaches Heben ihrer Lider.

Und kosten ihre Lippen gierig dieses leichte Wehen,
atmen auf das süße Gift, das Rettung falsch verheißt.
Wie furchtbar schmerzt es, dieses kurze einmal wieder Sehen,
dieses Atmen, dieser Hauch, der auf ein Leben weißt,

wenn schon die Blütenranken wieder sich der Sicht verschließen
und ihr Pracht erfülltes Grab sich neu mit Erde deckt,
durch ihre Wasser wohlgenährt, erneut die Dornen sprießen,

wird sie so gelähmt in Schuld und Wohlgeruch versteckt,
zu jeder Tagesstunde ihrer Gitter Grün begießen,
bis ein blinder Narr sie trunken aus dem Schlaf erweckt.


(Originalphoto by Irene Zitzer, www.irene-zitzer.de, bearbeitet)

19. November 2007

Traumerwachen

So fein vertäut wie Spinnennetz versucht das zart gewebte Bild
ein letztes Mal die Sinne Nebelschwadenartig zu durchdringen.
Verschleiert noch was wahr sich zeigt, erhält verstörend dieses Singen,
dass wie ein überirdischer Choral aus allen Adern quillt.

Schon tastet sich die warme Hand im Jetzt an hartem Holze fest,
doch wieder gleitet sie herab, von Endlichkeit im Nichts verschlungen
und noch ein letzter Seufzer wird dem einen Blicke abgerungen,
der eben noch so blind betört ihn ungehört verklingen lässt.

Und ganz beschwingt und voll von dieser Klangerfüllten Bildermacht,
ergräbt sich das Bewusstsein seinen Weg zurück in kalte Weiten.
Schon wieder hier und immer noch im Spiel der Harfengleichen Seiten,
dass grausam noch ein Echo lässt aus dieser Traumdurchwirkten Nacht.

13. September 2007

Herbstabend

Herbstabend

Ach welches Streben deckt das Land mit grauem Flitter
und überzieht das goldne Korn mit fahlem Flor?
In hehrer Wildheit stürmt als Vorhut das Gewitter,
dass wohl zum letzten Boten sich das Jahr erkor.

Schon muss am Horizont die Sonne weichen
und büßt nur blutrot glühend ihre Herrschaft ein,
dem Winterabend grollend Hand und Macht zu reichen,
um nur noch Farbenrest auf Blätterwerk zu sein.

Der Wind dreht sachte und zeigt kurz die Ewigkeit,
erdreistet sich, den letzten Herbsthauch zu vernichten
und silbern schimmernd gibt der Frost ihm das Geleit.

Und dieser Nebeltau auf altersmüden Fichten
erinnert traumdurchwoben bleich an alte Zeit,
an kurzes Glück und längst vergessene Geschichten.

24. November 2006

Djawad

Ich stieg in dieses Taxi und mein Kopf war schwer.
Sein Haar war grau, sein linkes Augenlid hing schräg.
Im Auto roch es stark nach altem Schweiß und Teer,
doch wollte ich nur heim und fand doch nicht den Weg.

Ich lehnte meinen Kopf an das erhitzte Glas.
Mich trieb es nur nach Haus und ab ins kühle Naß.
Er fuhr jedoch nicht los und blieb dort wo er saß,
begann zu sprechen von der Liebe und dem Hass,

beschwor mir ferner Wüste prächtig Königreich
und goldgeschmückte Frauen tanzten um mich her
und schillernd kämpfte dort das Sarazenenheer,
mit hartem Stahl und Schwert bewährt, für ihren Scheich.

Er sprach von irrer Gier nach Gold und von Verrat
und das Begehr Verderben nur dem Menschen bringt,
doch auch von Einsicht und der Liebe edler Tat
und das vor dieser Gnade jeder niedersinkt.

Ich war von dieser Stimme lange noch betört
und fand mich ganz allein an dieser Straße stehn.
Ich suchte ihn, doch keiner hatte je gehört
von Djawad - niemand hatte jemals ihn gesehn.

5. November 2006

Nachruf

An jenem Tag, der blutesrot des Himmels Schönheit offenbarte,
verkehrte ich in Straßen, deren Kälte tief mir in die Glieder schnitt.
Der wild gewordne Sturm ergriff mich wüst und warf mich auf, als wenn er stritt;
Was trieb mich nur so infernal, dass ich mich nicht dem Kampf verwahrte?

Ein Traum wohl, der mir Seeligkeit und Ruhm der Treue wert, verkündet,
dass Heil zu finden ist, dass meine Leiden schmälert, mein Alleinsein bricht;
Doch Hände griffen Leere, meine Füße sanken tief - ich traf es nicht!
Doch als ich endlich Rettung fand, begriff ich, worauf dies gegründet.

Winternacht

Dort draußen deckt die Kühle
des Himmels Tore zu
und Stille zieht durchs Lande,
legt silbern sich zur Ruh.

Längst ist die Tür geschlossen,
kein Ofen wärmt den Ort.
Wo Lachen einst regierte,
herrscht Schweigen immerfort.

Die Hände sind gefaltet,
erbittend im Gebet:
Der Winter möge schonen,
den, der in Kälte steht.

Doch ohne Fehl sein Schaffen
ist vor ihm jeder gleich.
In seinen Armen wartet
das Tor zum Himmelreich.

So brechen ihre Augen,
ein letzter Seufzer weicht.
Der Tod hat ihr so milde,
die Hand zum Heil gereicht.


27. Oktober 2006

Ausbruch

Ausbruch

Vergittert ist mein Leben
und nur im Geist beschwingt,
behindert ist mein Streben,
daß nur nach Freiheit ringt.

Will dennoch Sehnsucht leiden,
ergeben mich der Qual,
niemals Hoffnung meiden:
Der Himmel wär so fahl,

wenn ich der Zucht genügte,
Gefangenschaft zu leben
und mich dem Willen fügte,
mein Sehnen aufzugeben.

Nein- Hoffen will ich- Drängen
und folgen diesem Klang,
um Haft und Traum zu mengen,
nicht länger wär mir bang!

Und wär mein Sehnen auch vergebens,
verklänge ungehört mein Schrei,
wär auch zu End die Sucht des Lebens,
so wäre ich doch einmal frei!

9. September 2006

Zuckerfahrt

Zuckerfahrt

Laut schlägt die Pauke, dunklem Muskelspiel.

Keine Ruhe heut und morgen – Peitschenhieb.

Die Welle rauscht, ein Dieb verliert die Hand.

Kein Laut trägt meine Zunge, fern mein Land.

Hoffnung zieht im weiten Meer, im Wind zerstieb,

ein Augenblick des Sehnens überm Kiel.


Gischt trägt uns weiter, menschliches Getier.

Einer stirbt in Unschuld - rotes Spitzenhemd:

Auf schwarz geschrieben wie ein Liebesbrief.

So seelenlos, ein Nichts, so fällt er tief.

Unser Leben ohne Wert, die Ruder stemmt,

dem hellen Stern der Männer Farbe hier.


So fällt im Einklang unsrer Hände Zug,

täglich einer unter Deck in frühem Grab:

Wie Schicht auf Schicht, bereits lebendig tot,

verreckt am falschen Stolz in Blut und Kot.

Hoffnung starb auf weiter See, die nicht vergab,

den Augenblick des Sehnens überm Bug.

30. August 2006

Moorgesang

Moorgesang

Und hörst du, wie ich in den Binsen leise singe,
wie mein Atem rinnt und meine Stimme rauscht?
Ich bin zu Ihnen geworden, den Gräsern, ich rinne
zwischen ihnen hervor und das Wasser lauscht

mir zu und gluckert frohgemut mir seine Lieder,
während alles klein Getier nur stumm ersinnt,
wer Fremdes kam und nunmehr immer immer wieder,
fast schon lautlos ihr Revier durchfährt, wie Wind,

der zart sich um die alten Bäume nurmehr kräuselt
und traut und sachte ihre Blätterkronen netzt.
Ja, halb nur hier und wieder fort ganz milde säuselt,
von traumverlornen bittren Dingen aus dem Jetzt.